Brustkrebs: Was ist eine endokrine Therapie?

Die Grundlagen der Antihormontherapie in der Behandlung des Mammakarzinoms

Dieser Beitrag soll die Grundlagen der so genannten endokrinen Therapie (Antihormontherapie) bei der Behandlung von Brustkrebs anschaulich vermitteln und Möglichkeiten aufzeigen, wie die Patientin selbst diese Therapie persönlich positiv beeinflussen kann und soll.

Das Prinzip der Antihormontherapie

Aus wissenschaftlichen Untersuchungen weiß man, dass bei etwa 60 Prozent aller Brustkrebserkrankungen das körpereigene Hormon Östrogen wachstumsfördernd auf den Krebs wirkt. In diesen Fällen besitzen die Krebszellen einen Hormonrezeptor, den man sich wie das „Zündschloss“ eines Autos vorstellen kann. Das weibliche Hormon Östrogen ist der passende „Schlüssel“ für dieses Schloss und aktiviert die Krebszellen, sich weiter zu teilen. Derartige Krebszellen nennt man „hormonrezeptorpositiv“. Sie lassen sich gezielt und wirkungsvoll mit Antihormonen behandeln.

Das Wirkprinzip der Antihormontherapie ist entweder das „Zündschloss“ (den Hormonrezeptor) unbrauchbar zu machen oder die Produktion des „Schlüssels“ (des Östrogens) zu stoppen. Auf diese Weise kann das Rückfallrisiko entscheidend verringert werden. Es stehen verschiedene Antihormone zur Verfügung die sich grob in zwei Klassen einteilen lassen: Tamoxifen und Aromatasehemmer.

Tamoxifen blockiert das Zündschloss

Der Wirkstoff Tamoxifen funktioniert wie ein falscher Schlüssel, der das Schloss (den Hormonrezeptor) blockiert. Das Hormon Östrogen, das sich im Körper befindet, kann so nicht mehr an den Hormonrezeptor binden und diesen nicht mehr aktivieren. Krebszellen, die sich im Körper befinden, werden dadurch gebremst.

Aromatasehemmer verhindern die Produktion des Schlüssels

 

 

Die Wirkstoffe Anastrozol, Letrozol und Exemestan sind so genannte Aromatasehemmer. Sie wirken indem Sie die Produktion des Schlüssels Östrogen im Körper verhindern. Nach den Wechseljahren, wenn die Eierstöcke kein Östrogen mehr bilden, werden vom Körper weiterhin kleine Mengen an Östrogen gebildet. Dies geschieht im Fett- und Muskelgewebe durch das Enzym Aromatase. Durch die oben genannten Wirkstoffe wird die Aromatase blockiert. Als Folge fehlt den Krebszellen das Östrogen und somit der Reiz, sich weiter zu teilen und somit zu wachsen.

Welcher Therapie-Ansatz ist besser?

Beide Ansätze sind hochwirksam und können das Rückfallrisiko entscheidend verringern. Welcher Ansatz im Einzelfall geeignet ist hängt von verschiedenen Faktoren ab und wird von den behandelnden Ärzten für jede Patientin individuell entschieden. In klinischen Studien hat sich in den vergangenen Jahren eine bessere Wirksamkeit der Aromatasehemmer im Vergleich zu Tamoxifen für bestimmte Patientengruppen gezeigt.

Die Aromatasehemmer können nur nach den Wechseljahren einsetzt werden, weil der weibliche Körper vor den Wechseljahren den Schlüssel Östrogen noch in den Eierstöcken ohne das Enzym Aromatase produziert. Tamoxifen hingegen wird in der Regel auch bei Frauen vor den Wechseljahren eingesetzt. Klinische Studien haben gezeigt, dass eine gleichzeitige Kombination von beiden Ansätzen nicht vorteilhaft ist. Deshalb wird nacheinander entweder mit Tamoxifen oder mit Aromatasehemmern behandelt.

Nebenwirkungen und Vertrauen

Wie verträglich ist die Antihormontherapie?

Grundsätzlich ist das Spektrum der Nebenwirkungen von Tamoxifen und den Aromatasehemmern ähnlich. Da beide Wirkstoffgruppen in den Hormonhaushalt (Östrogenhaushalt) des Körpers eingreifen, sind die Nebenwirkungen vergleichbar mit den Beschwerden in den Wechseljahren – jenem Lebensabschnitt, in dem der Körper von sich aus die Produktion von Östrogen in den Eierstöcken einstellt. Die Nebenwirkungen ergeben sich also direkt aus dem Wirkmechanismus der Substanzen. Häufig kommt es zu Hitzewallungen, Gelenkschmerzen und Gelenksteifheit sowie zu Stimmungsschwankungen und Müdigkeit. Die Nebenwirkungen sind jedoch zumeist nur leicht oder mäßig ausgeprägt und werden von den betroffenen Patientinnen gut toleriert.

Im Großen und Ganzen haben die Aromatasehemmer ein günstigeres Nebenwirkungsprofil als Tamoxifen, das heißt die meisten Nebenwirkungen kommen bei Aromatasehemmern deutlich seltener vor. Besonders das Risiko von schwerwiegenden Nebenwirkungen wie Blutgerinnsel in den Venen sind bei Aromatasehemmern deutlich geringer. Unter Aromatasehemmern kommt es hingegen häufiger (ca. 5%) zu Knochen-, Gelenk- und Muskelschmerzen. Auch die Wahrscheinlichkeit von Knochenbrüchen ist leicht erhöht (ca. 7% bei Tamoxifen gegenüber 10% bei Anastrozol).

Hinweis: Wenn bei Ihnen Nebenwirkungen auftreten, nehmen Sie diese nicht einfach hin, sondern sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Häufig kann er Ihnen helfen, die Nebenwirkungen durch eine geeignete zusätzliche Therapie zu lindern oder ganz zu vermeiden.

Wichtig für den Erfolg der Therapie ist die regelmäßige Einnahme

Aromatasehemmer wirken über das Prinzip des Östrogen-Entzugs, d. h. das dem Krebs - wie bereits beschrieben - der Schlüssel für sein Wachstum entzogen wird. Es ist sehr wichtig, dass dieser Östrogen-Entzug dauerhaft und konsequent erfolgt. Nehmen Sie Ihren Aromatasehemmer jeden Tag regelmäßig ein und lassen Sie sich auch nicht durch mögliche Nebenwirkungen entmutigen, sondern sprechen Sie diese gegebenenfalls bei Ihrem Arzt offen an. Es ist wichtig, die Behandlung dauerhaft durchzuführen.

Diese Tipps können Ihnen helfen, die tägliche Einnahme zu gewährleisten:

  • Nehmen Sie die Tablette jeden Tag zu einer bestimmten Zeit beispielsweise vor oder nach einer Mahlzeit ein.
  • Nehmen Sie immer ausreichend Tabletten mit, wenn Sie verreisen.
  • Nutzen Sie einen Tablettenspender aus der Apotheke oder vermerken Sie auf dem Blister (Tablettenverpackung) bei der Tablettenentnahme den entsprechenden Wochentag, um eine tägliche Einnahme nicht zu vergessen.
  • Besorgen Sie sich rechtzeitig ein neues Rezept.

Wie wichtig ist Bewegung?

Mit Bewegung können Sie die Therapie positiv beeinflussen

Über Jahre hinweg hat sich gezeigt, dass Patientinnen, die in Bewegung bleiben und regelmäßig Sport treiben, deutlich weniger Rückfälle haben. Bewegung sollte Ihnen jedoch immer Spaß bereiten. Wenn Sie genauer wissen wollen, welche Art von Bewegung für Sie in Ihrem speziellen Fall geeignet ist, sprechen Sie mit Ihrem Arzt.

Bewegung im Wasser: Wassergymnastik oder Schwimmen

Die Bewegung im Wasser hat viele positive Wirkungen auf Ihren Körper. Durch den Auftrieb fallen Ihnen Bewegungen leichter, der hydrostatische Druck des Wassers hat einen positiven Einfluss auf das Lymphsystem, das Verletzungsrisiko ist sehr gering und der Wasserwiderstand verhindert ruckartige Bewegungen. Gleichzeitig streichelt das Wasser Ihren Körper. Viele Badeanstalten bieten neben dem Schwimmbetrieb, Wassergymnastik oder Bewegungsgruppen häufig auch einen Wellness-Bereich an.

Hinweis: Voraussetzung für die Bewegung im Wasser ist, dass Ihr Immunsystem wiederhergestellt und die Wundheilung vollständig abgeschlossen ist. Ihr Arzt kann dies gemeinsam mit Ihnen beurteilen.

Bewegung in der Natur: Spaziergänge oder Nordic Walking

Bewegung in der Natur ist nicht nur gut für den Körper, sondern auch Balsam für die Seele. Verabreden Sie sich zum Beispiel mit anderen Betroffenen oder treten Sie einer Laufgruppe bei. Von einem regelmäßigen Morgenspaziergang bis hin zu Nordic Walking gibt es vielfältige Möglichkeiten. Entscheidend ist jedoch die Regelmäßigkeit der Bewegung. Gehen Sie lieber jeden Tag zehn Minuten als einmal im Monat zwei Stunden spazieren. Versuchen Sie, die
Bewegung zu genießen und positive Energie aufzunehmen.

Hinweis: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, welcher Grad an Bewegung Ihnen gut tut. Er kennt Sie persönlich und hilft Ihnen gerne weiter die richtige Intensität der Bewegung für Sie zu finden.

 

Entspannung für Körper und Seele

Moderne Therapiemöglichkeiten wie die Antihormontherapie sind hochwirksam und meist ohne Alternative. Gleichzeitig ist es elementar, die Psyche des Menschen bei der Behandlung einzubeziehen. Besonders in der Tradition fernöstlicher Kulturen ist ein ganzheitlicher Ansatz bei der Behandlung von Krankheiten weit verbreitet. So lassen sich beispielsweise fernöstliche Ansätzen mit einer modernen medikamentösen Therapie wirksam kombinieren. Methoden wie Yoga, Qigong, Tai Chi oder Pilates helfen die eigene Körperwahrnehmung zu stärken und ein gesundes Selbstvertrauen zu fördern.

Erkundigen Sie sich, ob in Ihrer Umgebung entsprechende Kurse angeboten werden:

  • Yoga: indische Philosophie; Kombination aus Körperhaltungen, Bewegungsabläufen, Meditation und Atemübungen.
  • Qigong: chinesische Meditationsform; Kombination aus Entspannung, Ruhe, Natürlichkeit, Bewegung, Atmung und mentaler Vorstellung.
  • Tai Chi: ursprünglich chinesische „innere Kampfkunst“; in jüngerer Zeit oft Bewegungslehre und Mittel zur Meditation.
  • Pilates: systematisches Ganzkörpertraining zur Kräftigung primär der Beckenboden-, Bauch- und Rückenmuskulatur.

Hinweis: Sprechen Sie sowohl mit Ihrem behandelnden Arzt als auch mit dem jeweiligen Kursleiter darüber, welche Form der Bewegungsübungen für Sie geeignet ist.

Weitere Informationen

Für weitergehende Informationen empfehlen wir den Blauen Ratgeber zum Thema Brustkrebs der Deutschen Krebshilfe e.V.

Weitere Links zum Thema Brustkrebs:

www.krebshilfe.de

www.brustkrebs-web.de

 

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